Entdecker des Sonnenkultes

am unteren Mississippi

 

- This Land was Theirs -

 

 

Die Gesellschaft der Natchez, so wie sie von du Pratz beschrieben wird, bestand aus dem Adel und den Gemeinen. Beide Gesellschaftsschichten waren durch komplizierte Heiratsbeziehungen miteinander verbunden, die in dieser Form bei keiner anderen ethnischen Gruppe in Nordamerika anzutreffen sind und die es den Natchez ermöglichte, immer wieder neue Personen in ihr Sozialgefüge aufzunehmen. Dieser Mechanismus dürfte zu einer Zeit, als die anderen Mississippi-Zentren bereits im Niedergang begriffen waren, zum Überleben der Gesellschaft der Natchez beigetragen haben. 

Oberster weltlicher und religiöser Herrscher war die "Große Sonne", die ihre Abstammung von der höchsten Gottheit, der Sonne, herleitete. Der Sonnenkult erlangte bei den Natchez fast die Form einer Staatsreligion. Zahlreiche Riten und kultische Handlungen wurden zu Ehren der Sonne und der "Großen Sonne" ausgeübt. Der Ort, an dem die "Große Sonne" lebte, das Große Dorf oder Grand Village, war den anderen Dörfern übergeordnet und diese waren der "Großen Sonne" tributpflichtig.  

Auszug aus "Die Natchez vom Unterlauf des Mississippi"

 

 

Die abgebildeten Zeichnungen stammen aus Antoine Simon Le Page du Pratz: L´histoire de la Louisiane, Paris 1758. 

                                   

 

 

3.4. Die Zeit der Entdecker

 

Die erste Expedition von Europäern, die den Mississippi bereiste, war die unter Führung des bereits erwähnten, auch an der Eroberung Perus beteiligten spanischen Hauptmanns Hernando de Soto (Hudson, 1978: 115 f., Barnett, 2007:       3 - 20). Die Entdecker um de Soto waren jedoch so sehr von der Suche nach Gold und anderen Reichtümern besessen, dass sie kaum Zeit fanden, ethnografisch wertvolle Beobachtungen aufzuzeichnen (Hudson, 1978: 11). Zudem mussten die Spanier, als sie den Unterlauf des Mississippi erreichten, ihre ganze Kraft darauf verwenden, mit heiler Haut dem Angriff einer indianischen Übermacht zu entkommen, und fanden keine Gelegenheit, im Gebiet der Natchez an Land zu gehen. Ihre Berichte beziehen sich daher eher auf militärische Details und deuten an, dass die Indianer, denen sie begegneten, in der Lage waren, eine große Bootsstreitmacht zu organisieren und diese mit strategischem Geschick zu lenken.

Nach diesen ersten Berührungen in den Jahren zwischen 1541 und 1543 kamen erst wieder gegen Ende des 17. Jahrhunderts Europäer, dieses Mal Franzosen aus Französisch-Kanada, an den Unterlauf des Mississippi (Hudson, 1978: 118, Barnett, 2007: 21 - 26).  Unter ihnen sind insbesondere der Forscher René-Robert de la Salle, der als erster Europäer 1682 den Mississippi, aus der Region um den Michigansee kommend, fast in seiner vollen Länge bereiste, und der bereits an der ersten La Salle-Expedition teilnehmende Henri de Tonti, der nochmals acht Jahre später in diese Gegend kam, zu nennen. Die ausführlichsten Anmerkungen zu dieser Reise stammen von Tonti und von Nicolas de La Salle, nicht zu verwechseln mit dem Initiator dieser Expedition. Leider waren beide keine Augenzeugen der Begegnung von La Salle im Großen Dorf der Natchez. Beide Darstellungen unterscheiden sich auch in einigen Passagen voneinander und wurden teilweise erst sehr lange Zeit nach den Ereignissen aufgeschrieben. Von seiner späteren Reise hat Tonti nur sehr wenige Hinweise hinterlassen. 

Um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert suchten Missionare mit zweifelhaftem Erfolg, die Indianer des französischen Louisiana zu christianisieren (Lindig, 1976: 83, Barnett, 2007: 48 - 51, 55). Zu ihnen gehörte auch Saint- Cosme, der einige Zeit bei den Natchez lebten und deren Sprache beherrscht haben soll. Möglicherweise ist seine Ermordung der entscheidende Grund dafür, dass kaum nennenswerte Informationen von ihm überliefert wurden. . . . . . 

Alle weiteren Berichte vom unteren Mississippi datieren aus dem 18. Jahrhundert (Hudson, 1978: 11). Antoine-Simon Le Page du Pratz  gehörte zu den Franzosen, die zu Beginn des Jahrhunderts mit der Kolonisation des Natchez-Landes begannen (Barnett, 2007: 77 - 82). Er lebte acht Jahre lang bei den Natchez und hatte eine Hütte in der Nähe des Großen Dorfes und von Fort Rosalie, der gerade erbauten Befestigungsanlage der Franzosen, bezogen (Du Pratz, 1758, 1: 126, 139). Sein Kontakt zu den Natchez war wahrscheinlich enger als der eines jeden anderen Chronisten (Du Pratz, 1758, 2: Kap. XXIII und XXIV). Die Große Sonne, Tempelwächter wie auch Leute aus dem Volke zählten zu seinen Informanten. Außerdem stand ihm eine Chitimacha-Indianerin zur Seite, die die Sprache der Natchez beherrschte (Barnett, 2007: 77). . . . .

 

7.2. Religiöse Zeremonien und Feierlichkeiten

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Das von den Chronisten beschriebene Erntefest entspricht dem dem bedeutendsten Zeremoniell, das die Indianer des Südostens überhaupt kannten, dem Grünkorn- oder Buskfest, bei den Natchez auch als das Fest des Großen Korns bezeichnet. Hudson (1978: 367, 374) stellt den Aspekt der rituellen Reinigung bei diesem Fest in den Vordergrund. Zum Ausdruck kam dieser Reinigungsvorgang in einem strengen Fasten, das zwei Tage andauerte, in einem durch die Einnahme des Schwarzen Tranks herbeigeführten Erbrechens und schließlich in dem Wiederanzünden des heiligen Feuers (Hudson, 1978: 369, 371). Selbst die öffentlichen wie auch die Gebäude der einzelnen Haushalte einschließlich der Haushaltsgeräte wurden zu Beginn der Feierlichkeiten erneuert und gesäubert (Hudson, 1978: 368). Der schwierigste Teil des Buskfestes war das Wiederanzünden des heiligen Feuers (Hudson, 1978: 371 ff.). Dies wurde von dem obersten Priester unter Mitwirkung eines Gehilfen an einem Ort vorgenommen, der von keinem anderen Menschen eingesehen werden konnte. War das Feuer entfacht, ermahnte der Priester alle Mitglieder der Gemeinschaft, ihre Pflichten verantwortungsbewusst zu erfüllen und alle Regeln, die die Gesellschaft ihnen auferlegte, einzuhalten. Mit dem Grünkornfest wurden, so Hudson (1978: 375), alle Streitigkeiten, die bis dahin zwischen Mitgliedern der Gemeinschaft bestanden hatten, beseitigt und alle Vergehen gegen die soziale Ordnung, mit Ausnahme der Tötung eines Menschen, getilgt. . . . .

Starb ein Mitglied der Adelsschicht der Sonnen, so wurde es von mehreren Personen ins Jenseits begleitet (Thwaites, 1959,68: 156 f., Margry, 1974, 5: 452 - 455, Du Pratz, 1758, 3: 55 ff., Dumont, 1753: 236 ff.). Neben dem Ehepartner soll auch seine Amme, sofern sie noch am Leben war, den Weg des Verstorbenen gegangen sein. Die Diener folgten ebenfalls ihrem Herrn. Auch Kinder sollen von ihren Eltern geopfert und am Tag der Totenfeierlichkeiten dem Verstorbenen mitgegeben worden sein. Als besondere Ehre galt es erwachsenen Natchez, der verstorbenen Sonne in den Tod zu folgen. Diejenigen, die den Opfergang antraten, hatten sich bereits zu Lebzeiten des Toten dazu entschlossen. Den Strick, mit dem sie erdrosselt werden sollten, hatten sie bereits selber angefertigt. Am Tag des Totenrituals wurden sie von ihren Verwandten zum Tempel geführt. Dort legten sie ihre festlichen Gewänder, in die sie anlässlich dieser Zeremonie gekleidet waren, ab und und nahmen Pillen aus Tabak zu sich, die eine betäubende Wirkung gehabt haben sollen. Danach wurden ihnen die Köpfe verhüllt und der Opfergang nahm seinen Lauf, indem der Strick um ihren Hals von beiden Seiten zugezogen wurde (Dumont, 1931: 407 f.). . . .   

 

7.3. Sonnenkult

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In dem Ursprungsmythos der Natchez, so wie er von Du Pratz (1758, 2: 331 -337) nacherzählt wird, stiegen einstmals ein Mann und eine Frau von der Sonne herab. Du Pratz betont aber, dass beide keine Nachkommen der Sonne waren. Möglicherweise war der Mann ihr Bruder (Hudson, 1978: 208). In der Darstellung von Du Pratz geht es dann weiter, indem erzählt wird, dass der von der Sonne herabgestiegene Mann den Natchez erklärte, welche Gesetze sie zu beachten hätten, um besser in Frieden leben zu können, als es ihnen bisher möglich war. Als die Natchez ihn daraufhin baten, ihr Anführer zu werden, stellte er zunächst folgende Bedingungen: Die Natchez sollten bestimmte Regeln beachten, nach denen festgelegt wurde, welcher Gesellschaftsschicht die Nachkommen der einzelnen sozialen Gruppen angehören sollten und wie die Nachfolge der Großen Sonne geregelt wurde. Die Regeln entsprachen jenen matrilinearen Prinzipien, die die Franzosen vorfanden, als sie begannen im Land der Natchez zu siedeln. In der Version des Ursprungsmythos, wie sie von Du Pratz in Erfahrung gebracht wurde, mussten die Natchez dann einen Tempel bauen, den nur die Sonnen betreten durften und in dem ein ewiges Feuer zu brennen hatte, das der neue Häuptling von der Sonne herunterholte. Würde das Feuern aus irgendeinem Grund mal verlöschen, was die Wächter des Feuers mit dem Leben bezahlen mussten (Galloway und Jackson, 2004: 605), so würde Unheil über das Volk der Natchez hereinbrechen. Für diesen Fall musste in einem zweiten Tempel am anderen Ende des Reiches der Natchez ein ebensolches ewiges Feuer brennen, an dem die erloschene Flamme neu entzündet werden konnte. Keinesfalls durfte das Feuer auf eine andere Weise entzündet werden, da es sonst seinen sakralen Charakter verloren hätte. Da die Natchez bereit waren, diese Regeln zu befolgen, nahm der Fremde ihr Angebot an und wurde ihr Herrscher. . . .    

 

   

Leseprobe

English readers can get a first impression from "Die Natchez vom Unterlauf des Mississippi" by this view into the book. A full text translation is forthcoming. Please excuse the many mistakes in this non-professional translation.

Bibliografische Angaben zu

"Die Natchez vom Unterlauf des Mississippi"

Weitere Aufzeichnungen über die Kultur der Natchez

 

 

Das Große Dorf der Natchez  -  The Grand Village of the Natchez

Der Natchez Kalender